< Zurück zur Übersicht

15. Coface Country Risk Conference (Foto:Walter Oberbramberger)

15. Coface Country Risk Conference

02. Juni 2017 | 14:53 Autor: APA-OTS Österreich, Wien

Wien (A) Unter dem Titel „Protektionismus im Vormarsch. Exportwirtschaft in der Sackgasse?“ fand gestern in Wien die 15. Country Risk Conference des internationalen Kreditversicherers Coface statt. Rund 200 Vertreter aus der Wirtschaft- und Bankenbranche trafen dort auf eine erstklassige Experten-Runde aus Politik und Wirtschaft.

Auf Einladung des internationalen Kreditversicherers Coface wurde am 1. Juni 2017 im Palais Niederösterreich über die Themen Protektionismus und Globalisierung diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei die Otto Wolff-Direktorin des Forschungsinstituts für Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik Dr. Daniela Schwarzer, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich Dr. Christoph Matznetter sowie Journalist und politischer Schriftsteller Robert Misik. Diese gaben ihre fundierte Einschätzung über Auswirkungen von politischen Risiken auf die Unternehmen ab.

Eröffnung durch Country Manager Michael Tawrowsky

Die Country Risk Conference, die bereits zum 15. Mal stattfand, wurde in bewährter Manier von ORF-Anchorman Armin Wolf moderiert. Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria, eröffnete die Konferenz und mahnte vor allem Unternehmen, die in weniger Ländern aktiv sind, künftig noch besser den Handelspartner mit Bedacht zu wählen, da eine politische Instabilität Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen haben könne. Nicht so riskant sieht er die Entwicklung für die Big Player am Markt, „die breiter aufgestellten Unternehmen können womöglich lokale temporäre Probleme einfacher kompensieren und flexibler reagieren.“ Dennoch betonte er die Bedeutung eines zuverlässigen Partners im Risikomanagement, um potentielle Schäden präventiv zu vermeiden.

Danach präsentierte Mario Jung, Senior Economist Coface Northern Europe Region, einen Überblick über die weltweiten Länderrisiken und skizziert den Einfluss konjunktureller Entwicklungen auf die österreichische Außenwirtschaft. Dabei bestätigte er, dass die heimische Wirtschaft 2017 auf einem stabilen Wachstumskurs von 1,8 Prozent bleiben wird. Die für Österreich bedeutenden Volkswirtschaften Deutschland sowie Zentral- und Osteuropa zeigen sich schon seit einigen Jahren sehr robust und dürften dieses Jahr mit Wachstumsraten von 1,6 Prozent und 3,4 Prozent aufwarten. Dennoch sieht der Regional Economist diverse politische Risiken im internationalen Umfeld. „Die Rahmenbedingungen bleiben geprägt von hohen politischen Unsicherheiten, die auch auf die österreichische Wirtschaft zurückprallen könnten“ so der Ökonom. „Was bei politischen Risiken besonders schwierig einzuschätzen sei, ist deren Gefahrenpotenzial für den Wirtschaftskreislauf und die Finanzmärkte – verstärkt durch die Bedrohung des internationalen Terrorismus.“

Protektionismus im Vormarsch. Exportwirtschaft in der Sackgasse?
Im Anschluss referierte Christoph Matznetter, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, über die Chancen der österreichischen Außenwirtschaft in einer globalisierten Welt und in Zeiten, in denen die politischen Risiken nicht zu unterschätzen sind. „Österreichs Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten große Sprünge gemacht und werden auch im digitalen Zeitalter ihre Chancen finden“, so Matznetter. Er betonte, dass vor allem KMU´s im globalen Wettbewerb durch Qualität, Innovation und der Bearbeitung neuer Märkte bestechen können.

Die Globalisierung kritisch hinterfragte der österreichische Journalist und politische Schriftsteller Robert Misik. „Eine aus dem Ruder laufende Globalisierung kann zweifellos auch viele negative Effekte haben, die nicht nur Verlierer produzieren – sondern am Ende sogar fast allen schaden, etwa weil die globale Nachfrage einbricht, verallgemeinerter Lohndruck nach unten herrscht und sogar bei Innovationen gespart wird.“

Die kann Europa der Populismus-Falle entfliehen?
Daniela Schwarzer eröffnete den zweiten Teil der Konferenz mit ihrer Keynote zum Thema „Die Revolution der starken Sprüche – Droht der Supergau für den Welthandel oder bringt die Politikwende neue Wachstumschancen?“ „Die Realität wird viele Ankündigungen einholen“, stellte die Otto-Wolff-Direktorin des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in den Raum. „Wir hoffen auf die Vernunft und hören die kritischen Stimmen in den USA. Mit neuen Unsicherheiten und einer sich verändernden globalen Wirtschaftsordnung wachst für Europa ein wichtiger neuer Auftrag. Das Wertebündnis mit den USA sei zwar nicht aufgehoben, in der Realpolitik veränderten sich die Orientierungspunkte, wenn Trump die NATO, die UNO und Handelsabkommen infrage stelle und Partner verbal angreife“, fasst sie die derzeitige Stimmung zwischen Europa und USA zusammen.

Dr. Daniela Schwarzer mahnte weiter: „Die EU muss sich im Inneren stärken. Der Euro und der Binnenmarkt sind grundlegend für die Zukunft der EU. Ich sehe hier einen großen Handlungsauftrag der europäischen, deutschen und französischen Politik.“ Ebenfalls erklärt sie den Aufschwung der Populisten wie folgt, „das Gefühl der bedrohten Sicherheit und des Kontrollverlustes gibt Populisten Raum zur Entfaltung. Es ist die Aufgabe der nationalen und europäischen Politik sozial zu stabilisieren.“

Abschließender Experten-Talk und Get-together
Im anschließenden Experten-Talk wurde vor allem über die wirtschaftlichen Möglichkeiten exportorientierter Unternehmen gesprochen.

Das an das Konferenzprogramm anschließende „Coface Get-together“ bot den Gästen die Möglichkeit zum persönlichen Meinungsaustausch und Networking. Die nunmehr seit 15 Jahren bestehende Veranstaltung zählt nicht zuletzt aufgrund der hohen Dichte an Entscheidungsträgern zu den Fixpunkten im Kalender der heimischen Wirtschaft. Unter den zahlreich erschienenen Gästen waren Prok. Mag. Karl-Georg Assl, Carbones Holding GmbH; Mag. Christian Duder, Constantia Industries AG; Mag. Philipp Kitzmüller, Lenzing AG; Mag. Werner Stix, J.u.A. Frischeis Gesellschaft m.b.H; Mag. Christoph Pernsteiner, LKW WALTER Internationale Transportorganisation AG, Prok. Wolfgang Bell, Miele Gesellschaft m.b.H., Mag. Dr. Gerald Wieser, Rail Cargo Austria Aktiengesellschaft, uvm.

    Coface Austria Kreditversicherung Service GmbH

    Stubenring 24, 1010 Wien,
    +43 1 51554-0

    Details


    < Zurück zur Übersicht