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GSV Forum: Automatisiertes Fahren wird Megatrend

GSV Forum: Automatisiertes Fahren wird Megatrend

10. Mai 2017 | 14:30 Autor: GSV - Österreich Österreich, Wien

Wien (A) Das in allen Situationen autonom fahrende Auto ist nicht aufzuhalten, weil ein neuer „Megatrend“. Davon waren beim GSV Forum im TechGate Vienna alle Experten überzeugt. Es kommt wahrscheinlich später als in der Anfangseuphorie erwartet und sinnvollerweise nur in Stufen, aber es kommt. „Und wenn es wider Erwarten dann doch nicht kommt, haben wir, die Autoindustrie, bis dahin aus der Entwicklungsarbeit ungeheuer viel zum Vorteil der Konsumenten gelernt“, indem wir die Sicherheit der Fahrzeuge nochmals optimiert haben, so Thomas von Gelmini.

Für einen neuen Megatrend spricht auch der Rekordbesuch der Veranstaltung, zu der die GSV zusammen mit AustriaTech, der Kontaktstelle des BMVIT  für autonomes Fahren, eingeladen hatte. Aber wieso „Megatrend“? Was sind die überzeugenden Vorteile?

Darauf gab Anton Fuchs, Virtual Vehicle Research Center, in seiner Keynote die Antwort: Mehr Verkehrssicherheit. In 90 Prozent der Fälle ist menschliches Versagen die Unfallursache.

Besserer Verkehrsfluss ist möglich, der auch zu weniger Emissionen führt Zugang zur Mobilität für unsichere Fahrer und ältere Menschen Nutzung der Zeit im Auto für andere Tätigkeiten („der Tag hat plötzlich 25 Stunden“) Innovation, neue Geschäftsfelder und Technologien. Chancen für neue Player. Das Marktpotential wird auf 87 Milliarden Dollar in 2030 geschätzt.

Bis dahin haben Techniker, Juristen und Politik noch einige Nüsse zu knacken. Man wird zum Beispiel Karten und Navigationssysteme brauchen, mit denen die Fahrzeugposition auf 5cm genau ermittelt werden kann. Die derzeitigen Karten und GPS basierten Navis leisten das nicht. Die Sensoren und Systeme müssen in allen Alltags- und Fahrsituationen zu 100 Prozent zuverlässig (99 Prozent reicht nicht!) und auch leistbar sein. So kostete beispielsweise das LIDAR-System am Dach von Google-Autos noch über 50.000 Euro.

Wie bewältigt man die unvorstellbaren Datenmengen? Derzeit gehen Schätzungen davon aus, dass ein auf Level 4/5 (vollautomatisiert) fahrendes Auto pro Stunde (!) 4000 Gigabyte Daten erzeugt bzw. zu verarbeiten hat.

Dazu kommen noch mehrere Jahrzehnte (!) Mischverkehr (also konventionell neben automatisiert fahrenden Autos), Haftungs- und Versicherungsfragen und das Problem, dass in bestimmten Fahrsituationen nach wie vor der Nutzer die Steuerung des Fahrzeuges selbst übernehmen muss. Kann er das dann noch ohne Fahrpraxis und womöglich ausgerechnet in kniffeligen Situationen? Wieviel Zeit gibt man ihm, der vielleicht im Fond des Fahrzeuges gerade mit der Firmenbuchhaltung beschäftigt ist, dazu?

Ohne diese Herausforderungen klein reden zu wollen betonten gestern alle Experten, dass sie diese für bewältigbar halten. Generell käme Österreich dabei eine Vorreiterrolle zu. Die ASFINAG beispielsweise, so Bernd Datler,  Geschäftsführer ASFINAG Maut Service, wird mit ihrer digitalen Infrastruktur ein integriertes Gesamtbild der Verkehrssituation zur Verfügung stellen und damit die im Fahrzeug selbst verfügbaren Funktionen verbessern. Datler: „ Auf der 20 Kilometer langen Teststrecke auf der A2 gibt es 100 Prozent Videoabdeckung, auf unserem Autobahn- und Schnellstraßennetz insgesamt beträgt die Videoabdeckung bereits 80 Prozent!“ Es ist davon auszugehen, dass automatisiertes Fahren nach der Testphase zunächst auf Autobahnen möglich sein wird.

Eckhard Steiger, Robert Bosch GmbH, erwartet bereits für 2018 den Einsatz des Parking Pilot und für 2020 den Highway Pilot und „nicht zu spät in den 20-er Jahren“ den Urban Pilot. Als wichtigste Voraussetzungen benannte Steiger

  • Sicherheit und Verlässlichkeit der Systeme
  • Schutz gegen Cyber-Attacken
  • 360 Grad Erfassung durch robuste, jederzeit funktionierende Sensoren
  • Systemintelligenz, die Situationen richtig interpretiert und entscheidet
  • genaue, top aktuelle Karten
  • globale gesetzliche Standards und klare Verantwortlichkeiten

„Mit der Entwicklung des autonomen Fahrens haben wir die Büchse der Pandora im positiven Sinn geöffnet, die Hoffnung ist als erstes entwichen - nutzen wir dieses Potential“, appellierte schließlich der Geschäftsführer von AustriaTech, Martin Russ, an Skeptiker und Zweifler. „Bundesminister Jörg Leichtfried steht voll hinter dem Projekt, wir dürfen durchaus auch Risiko nehmen, und die ASFINAG mit Ihrer digitalen Infrastruktur an Bord zu haben ist ein Riesen-USP für Österreich!“ Ein Vorteil Österreichs sei auch die überschaubare Anzahl an Akteuren und dass diese international überdurchschnittlich erfolgreich sind. Dies bringt zusätzliche Wertschöpfung und neue Kompetenzen und Jobs. Das Wichtigste im ersten Schritt bleibe aber der absehbare Zugewinn an Verkehrssicherheit. Wir müssen unsere Mobilität und die Infrastruktur aber auch entsprechend managen, um positive Auswirkungen auf die Infrastrukturkapazität, Mobilitätsmöglichkeiten und positive Umweltwirkungen zu erreichen.

Abschließend betont Mario Rohracher, Generalsekretär der GSV, dass eine neue Ära der Auto-Mobilität angebrochen sei und Österreich hervorragend positioniert sei, um in der vordersten Liga der Test- und Entwicklungsphase mitzuspielen.

    GSV – Österreichische Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen

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