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DI Herbert Paierl, Vorstand (Foto: Paul Stender)

Großer Andrang zum Branchenevent für Photovoltaik und Stromspeicherung in Wien

11. November 2019 | 11:12 Autor: APA-OTS Startseite, Wien

Wien (A) Viele Handwerker, Planer, Architekten, Industrievertreter und Forscher aus der Photovoltaik- und Speicherbranche haben sich Anfang November auf den Weg nach Wien gemacht, um sich über die neusten Entwicklungen am Markt zu informieren. Über die beiden Tage verteilt haben 670 Teilnehmer den Vorträgen der Referenten gelauscht, debattiert und neue Ideen entwickelt. Damit ist die Zusammenlegung des jährlichen Speicherkongresses vom Bundesverband Photovoltaik Austria (PVA) mit der Photovoltaiktagung der Technologieplattform Photovoltaik (TPPV) ein echter Erfolg und das bislang größte Event der Photovoltaik- und Stromspeicherbranche.

Die positive Stimmung der Branche, die auch auf der Konferenz spürbar war, ist sicherlich auch auf die Verlängerung der Photovoltaik- (PV) und Speicherförderung für die nächsten drei Jahre zurückzuführen. Das gibt Planungssicherheit. Am ersten Tag wurde die Ausschreibung des 2. Innovationswards für Bauwerkintegrierte Photovoltaik gestartet. „Österreich kann seine Architekturtradition nutzen und durch die Verbindung von energetischer Optimierung und gestalterischen Lösungen ein globaler Vorreiter für solare Architektur zu werden“, freut sich Hubert Fechner, Obmann der TPPV, über die neuerliche Auslobung des Awards. Ein exklusiver Gala-Abend mit einem Beitrag von Gerhard Stryi-Hipp, Fraunhofer ISE zur „Solarcity Berlin“ ermöglichten einen Blick ins Nachbarland und rundete den ersten Veranstaltungstag ab.

Ära der Photovoltaik hat begonnen
Marko Topic, Vorsitzender der Slowenischen und Europäischen Technologie- und Innovationsplattform für Photovoltaik, vertritt auf der Konferenz das diesjährige Partnerland Slowenien. Topic hat den Blick auf die Entwicklung in Europa geworfen: „Während in der EU bis 2016 etwa 100 Gigawatt Photovoltaik aufgebaut wurde, ist der Zubau in den letzten beiden Jahren auf 15 Gigawatt zurückgegangen“, sagt Topic. Er ist sich aber sicher, dass der Markt wieder wächst, denn die Preise für die Photovoltaik sind drastisch gesunken. „Die Ära der Photovoltaik hat gerade erst begonnen“, betont Topic.

Zwei Kilowatt pro Einwohner gefordert
Mit dem Beschluss des PVA-Notpakets Ende September und den darin enthaltenen zusätzlichen Fördermitteln wird in Österreich ein Marktwachstum ausgelöst. Doch das wird nicht ausreichen, um das anvisierte Ziel der Vollversorgung Österreichs mit PV-Strom zu erreichen. Deshalb fordert Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des PVA, nicht nur eine österreichweite PV-Verpflichtung für neue Gebäude. Vielmehr soll in jeder Gemeinde für jeden Einwohner mindestens zwei Kilowatt PV-Leistung installiert werden. Bei acht Millionen Österreicher wären das 16 Gigawatt. Das ist auch der PV-Ausbau, den Österreich braucht, um 100% erneuerbaren Strom bis 2030 zu schaffen.

Neuer Solarkataster in Arbeit
Auch die Stadt Wien – einer der Partner der Konferenz – hat bereits eine PV-Verpflichtung für neue Gebäude in öffentlicher Hand umgesetzt und möchte in Zukunft die PV-Leistung deutlich erhöhen. Stefan Sattler von der Wiener Magistratsabteilung 20 betont weiter: „Außerdem überarbeiten wir derzeit das Solarkataster und im nächsten Jahr soll die Neuauflage des Solarleitfadens erscheinen“. Darin werden zwei neue Schwerpunkte aufgegriffen: Bauwerkintegration und die Kombination von Dachbegrünung und Photovoltaik.

Stärkerer Fokus auf System- und Bauwerkintegration
Solche neuen Schwerpunkte sieht auch Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds, als nächsten wichtigen Schritt für die Photovoltaikbranche. „Es geht jetzt stärker um die System- und die Bauwerkintegration, um autonome und solare Gebäude. Wir brauchen dafür ein Budget, um die weitere Entwicklung zu unterstützen. Denn neue Technologien sind immer etwas teurer. Wir haben aber gesehen, was man mit einer finanziellen Unterstützung bewegen kann“, sagt sie mit Blick auf den bisherigen Ausbau, der mit den Mitteln des Klima- und Energiefonds auf den Weg gebracht wurde. „Es geht jetzt auch darum, die Photovoltaik mit dem Speicher zu verheiraten und Systemlösungen auf den Markt zu bringen“, ergänzt Theodor Zillner vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie.

Vorhandene Flächen voll ausnutzen und Gemeinschaften stärken
Wie die Rahmenbedingungen in Zukunft aussehen könnten und die Arbeiten am Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) verlaufen, hat Michael Losch, Sektionschef im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) umrissen. Eine Unterstützung soll in Zukunft so ausgestaltet sein, dass die vorhandenen Dachflächen bestmöglich ausgenutzt werden. Hier müssen aber auch die Netzbetreiber einen Beitrag leisten. Dabei soll der Netzanschluss vereinfacht werden. „Außerdem wollen wir Gemeinschaftsanlagen stärker unterstützen“, sagt Losch weiter. Deshalb würde das Ministerium vorsehen, die Stromlieferung innerhalb von Quartieren zu vereinfachen und einen Ortstarif einzuführen, der unter dem Netztarif liegt. Das steht aber alles noch unter dem Vorbehalt, dass die nächste Regierung das auch unterstützt. Allerdings ist Losch optimistisch, dass das EAG möglichst rasch in Kraft treten kann.

Neue Lösungen für Speicher
Der zweite Tag stand neben der Vorstellung der neuen TOR Erzeuger ganz im Zeichen der Kombination von Photovoltaik mit den unterschiedlichsten Speichertechnologien. Im Mittelpunkt standen dabei verschiedene Geschäftsmodelle, um die Speicher wirtschaftlich betreiben zu können. Denn die Batterien können dazu beitragen, das Netz zu stabilisieren. Verschiedene Feldversuche haben gezeigt, wie sie den Netzausbau einsparen, wenn der Verkehrs- und der Wärmesektor elektrifiziert wird und welche neuen Technologien dabei an Bedeutung gewinnen könnten.

Stromspeicher für E-Mobilität
Auch auf dem Sektor der E-Mobilität bot die Veranstaltung durch Vorträge zu der Rolle der Speicher zum Ausbau der Mobilität, einem Schwungradspeicher für Ladestationen sowie dem elektrisch betriebenen Zug der österreichischen Bundesbahnen. Durch einen Vortrag aus dem vermeintlich branchenfremden Umfeld wurde der Einblick in die Rolle der OMV bei der Energiewende ermöglicht – hier wird Wasserstoff als „Part of the Solution“ gesehen.

Die Technologie- und Speichertagung des PVA und der TPPV wurde nicht nur von der Stadt Wien unterstützt, sondern auch vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und dem Klima- und Energiefonds. Als Industriepartner unterstützten Energy 3000 Solar, Fronius, Varta und Wien Energie die Veranstaltung.

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