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Wolfgang Hackenauer (qualityaustria Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie, Auditor), Albin Kälin (CEO, EPEA Switzerland), Andreas Röhrich (Director Product & Quality Management Product Development & Textile Sourcing, Wolford), Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria). (Fotos: Rauchenberger)

6. Umwelt- und Energieforum von qualityaustria legte Fokus auf das Thema Kreislaufwirtschaft

29. November 2019 | 11:30 Autor: Himmelhoch Startseite, Wien

Wien (A) Während auf EU-Ebene bereits die Kreislaufwirtschaftsstrategie 2.0 vorbereitet wird, sind die Unternehmen in den Mitgliedsstaaten noch voll damit beschäftigt die diesbezüglichen Vorgaben aus dem Jahr 2015 umzusetzen. Beim 6. qualityaustria Umwelt- und Energieforum im Schloss Schönbrunn präsentierten Vortragende aus der Wirtschaft und dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) ihre Kreislaufstrategien, damit das Wort „Abfall“ bald endgültig der Vergangenheit angehört. Künftig sollen nur noch möglichst unbedenkliche Materialien eingesetzt werden, die am Ende des Produktzyklus wieder in den Kreislauf zurückgelangen. Dazu muss bereits bei der Entwicklung neuer Produkte darüber nachgedacht werden, wie die Materialien permanent zirkulieren können. Der Fachbegriff dafür: Cradle to Cradle.

„Kreislaufwirtschaft rangiert ganz weit vorne auf der europäischen Agenda und die EU-Kommission beschleunigt das Thema weiter“, erklärte Axel Dick, Business Developer Umwelt und Energie, CSR bei Quality Austria, in seiner Anmoderation des diesjährigen qualityaustria Umwelt- und Energieforums. Dies gehe auch eindeutig aus einer aktuellen Ankündigung der EU-Kommission zum European Green Deal hervor. Kreislaufwirtschaft sei wesentlich mehr als die Steigerung der Quoten für die getrennte Sammlung von Abfällen. Sie setze vielmehr gesunde und sichere Materialien voraus, um sie wieder Stoffkreisläufe zurückführen zu können. Damit könnte auch ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz und zum Erreichen der Pariser Klimaziele geleistet werden. Kreislauffähigkeit wird ein Megatrend und zu einem neuen Qualitätsverständnis 2030 führen. Aber noch würden wir laut EU-Kommission in einer linearen Welt leben. Denn nur zwölf Prozent der Stoffströme werden derzeit recycliert oder wiederverwendet.

„Cradle to Cradle ist die einzige Zertifizierung, die Kreislauffähigkeit bestätigt“, betonte Dick. Die Idee hinter dem Cradle to Cradle-Prinzip sei es, von Anfang an in kompletten biologischen und/oder technischen Stoffkreisläufen zu denken, um dadurch erst gar keinen Müll im eigentlichen Sinn entstehen zu lassen. Aktuelle Forschungsergebnisse des Instituts für Integrierte Qualitätsgestaltung und Best Practice Modelle zeigten beim klimaneutralen qualityaustria Umwelt- und Energieforum, welche unterschiedliche Lösungsansätze die Unternehmen derzeit verfolgen und welchen Beitrag Umweltmanagementsysteme leisten können. Kooperationspartner des heurigen Forums waren wieder das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, das Klimaneutralitätsbündnis und erstmals EPEA Switzerland.

Wolfgang Holzer, Leiter der Sektion V – Abfallwirtschaft, Chemiepolitik und Umwelttechnologie im BMNT skizzierte die weiteren Vorhaben in diesem Bereich. „Das Kreislaufwirtschaftspaket der EU war ein erster entscheidender Schritt, dem definitiv noch weitere folgen müssen. Während die Mitgliedstaaten mit der nationalen Umsetzung befasst sind, wird auf EU-Ebene bereits die Kreislaufwirtschaftsstrategie 2.0 vorbereitet.“ Die Umweltfreundlichkeit von Unternehmen, die durch einschlägige Standards und Zertifizierungen dokumentiert wird, werde bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen unweigerlich eine zunehmende Rolle spielen.

Albin Kälin, CEO von der auf Cradle to Cradle spezialisierten Organisation EPEA Switzerland, räumte mit allfälligen Missverständnissen auf: „Cradle to Cradle-Design definiert und entwickelt kreislauffähige Produkte. Als Differenzierung zum konventionellen Recycling bleibt die Qualität der Rohstoffe über mehrere Produktlebenszyklen erhalten und es werden ausschließlich als sicher bewertete Chemikalien eingesetzt.“ Kälin ortet in der Verpackungsindustrie große Probleme, denn sie würde mehr Chemikalien einsetzen als andere Branchen. „Die Kreislauffähigkeit ist in dieser Branche kaum gegeben – jedenfalls nicht im Sinne von Cradle to Cradle. Wir sehen hier ein Riesenpotenzial, Lösungen zu erarbeiten und zu implementieren“, so der Experte. Die Politik gehe mit riesigen Schritten beim Thema „Circular Economy“ bzw. Kreislaufwirtschaft voran, weshalb die Gefahr für die Industrie bestehe, dass sie überfordert werde und in der Transformation nicht mithalten könne. Plastikverbote würden nichts bringen – vielmehr bestehe der Bedarf nach neuen, zukunftsfähigen Kunststoffen. Eine moderne Gesellschaft und die Umwelt brauchen zukunftsfähige Kunststoffe, da man aus der Natur nicht genügend Rohstoffe sicherstellen könne. Die Textilindustrie würde dies beweisen. EPEA Switzerland und Quality Austria werden hier in Zukunft stärker zusammenarbeiten, im Training und in der Auditierung der komplexen Lieferketten der Industrie.

Andreas Röhrich, Director Produkt & Quality Management Product Development & Textile Sourcing bei Wolford, gab eine Übersicht, wie sich Teile der Kollektion des Textilherstellers im Laufe der Jahre hin zu nachhaltigen Produkten nach den Grundsätzen von Cradle to Cradle entwickelt haben. „Wolford ist weltweit das erste Unternehmen, das für den biologischen und technischen Kreislauf nach ‚Cradle to Cradle CertifiedTM Gold‘ zertifiziert ist und beide Kreisläufe geschlossen hat“, so Röhrich. Weitere Ansätze zur Kreislauffähigkeit zeigten die Beispiele Audi und Wozabal Miettex GmbH.

Audi: mit einer Maßnahme 90.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart
„Bis 2050 wollen wir unternehmensweit eine bilanzielle CO2-Neutralität erreichen“, kündigte Johanna Klewitz, zuständig für Nachhaltigkeit in der Lieferkette bei der Audi AG, an. Bereits im Jahr 2025 will der deutsche Premiumhersteller seinen CO2-Fußabdruck über den kompletten Lebenszyklus gegenüber dem Jahr 2015 stufenweise um rund 30 Prozent senken. Audi betrachtet den gesamten Produktlebensweg der Automobile, nicht nur die Emissionen während der Nutzung. Langfristiges Ziel ist die geschlossene Kreislaufwirtschaft. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Einbindung der Lieferanten. Am Standort Neckarsulm beispielsweise hat Audi bereits 2017 einen „Aluminium Closed Loop“ eingeführt, der im Jahr 2020 schrittweise auf weitere Werke ausgeweitet werden soll. Die Aluminiumblech-Verschnitte, die im Presswerk anfallen, gehen direkt an den Lieferanten zurück, der sie erneut verarbeitet. Die so hergestellten Alubleche verwendet der Autohersteller anschließend wieder in der Fertigung. Allein im Jahr 2018 hat Audi auf diese Weise bilanziell rund 90.000 Tonnen CO2 eingespart – 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Auch Batterien spielen bei Audi eine immer wichtigere Rolle: In mehreren Pilotprojekten untersucht Audi Einsatzmöglichkeiten für Batterien nach ihrem Einsatz im Automobil. Von seinen Batteriezellen-Lieferanten fordert Audi den Einsatz von Grünstrom in der Zellfertigung. Diese Anforderung ist ein fester und verbindlicher Bestandteil bei allen neuen Auftragsvergaben zur Belieferung mit HV-Batteriezellen. Vor der Auftragsvergabe müssen Lieferanten ein entsprechendes Grünstromkonzept vorlegen. Insgesamt hat Audi im vergangenen Jahr – in direkter Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten – mehr als 50 konkrete Maßnahmen zur CO2-Reduktion definiert. „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass insbesondere mit dem Schließen von Material-Kreisläufen, dem Einsatz von Grünstrom und der sukzessiven Erhöhung von Sekundärmaterial und Rezyklateinsatz konkrete Reduktionspotenziale bestehen“, erklärte Klewitz.

Kontinuierliche Rückverfolgung der Textilien bei Salesianer
Mit beeindruckenden Zahlen ließen die Qualitätsmanagerin Hanna Geyerlechner und der Qualitäts-, Sicherheits- und Umweltbeauftragte Arno Friedl von der Wozabal Miettex GmbH aufhorchen. Durch die Übernahme der sechs Wozabal-Betriebe ist die Salesianer Miettex Gruppe mittlerweile auf 30 Betriebe in neun Ländern angewachsen. Die rund 2.170 Mitarbeiter waschen täglich 545 Tonnen Wäsche, das entspricht zirka 1,5 Millionen Teilen bzw. dem Inhalt von rund 109.000 Haushaltswaschmaschinen. Datenanalysen über den gesamten Lebenszyklus spielen bei Wozabal Miettex eine wichtige Rolle. Gesammelt werden beispielsweise Daten über die Anzahl der Wäschen, der Summe an Reparaturen, der Reparaturgründe bis hin zu den Ursachen für die Abschreibung der Textilien. Zudem können die Textilien über den gesamten zirkulären Versorgungsprozess kontinuierlich rückverfolgt werden. Die Verweildauer der Artikel ist in den einzelnen Prozessen – intern wie auch extern – transparent im ERP-System ersichtlich, was zu einer Optimierung des Ressourceneinsatzes führt. Zudem ermöglicht die RFID-Technologie einen automatisierten Bestellvorgang, welcher interne wie auch externe Ressourcen entlastet.

Mit Managementsystemen die Herausforderungen der Zukunft meistern
„Die Kreislaufwirtschaft stellt Hersteller von Produkten sowie die Abfallbranche gleichermaßen vor große Herausforderungen. Hersteller von Artikeln und zusammengesetzten Produkten, die besorgniserregende Stoffe enthalten, müssen ab dem 5. Jänner 2021 in einer Datenbank eine Reihe von Informationen bekanntgeben“, informierte der Netzwerkpartner und Produktexperte für Umwelt und Energie bei Quality Austria, Wolfgang Hackenauer, die Zuhörer. Neben der Information zur Identifizierung des Artikels zählen der Name, Konzentrationsbereich und das Vorkommen des Stoffes im Artikel und darüber hinaus mögliche weitere Informationen über die sichere Handhabung. „Anhand dieser Informationen sollen Abfallbetriebe besser in der Lage sein, gefährliche Stoffe zu erkennen und auszusortieren. Außerdem werden sie es den Verbrauchern erleichtern, eine Kaufentscheidung zu treffen sowie Produkte ordnungsgemäß zu entsorgen.“ Mit der Anwendung von Managementsystemen können Unternehmen rechtzeitig rechtliche Entwicklungen mit möglichen Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit und die damit verbundenen Chancen und Risiken erkennen und sie können helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, erläuterte Hackenauer.

Ergebnisse des Forschungsprojektes „Qualität 2030“
Erik Hansen, Professor an der Johannes Kepler Universität in Linz und Leiter des Instituts für Integrierte Qualitätsgestaltung, präsentierte erste Erkenntnisse aus der Perspektive der Kreislaufwirtschaft auf Basis des in Kooperation mit Quality Austria durchgeführten Forschungsprojektes „Qualität 2030“. Der besondere Fokus lag dabei auf der Entwicklung kreislauffähiger Produkte, der wertschöpfungsübergreifenden Zusammenarbeit, der Produktzertifizierung zur Differenzierung im Markt und den Potenzialen intelligenter Produkte bzw. deren Vernetzung. „Qualität wurde in der Vergangenheit zu häufig auf die Produktion und die Qualitätskontrolle am Werkstor verengt. Unternehmen sind aber heute gefragt, Qualität über den gesamten Lebensweg zu steuern: sowohl die Lieferkette zurück bis zur Rohstoffquelle, als auch zur Produktnutzung seitens des Kunden inklusive der kontrollierten Rückführung von Produkten und Materialien“, betonte Hansen.

  • Arno Friedl (Qualitäts-, Sicherheits- und Umweltbeauftragter, Wozabal Miettex), Hanna Geyerlechner (Qualitätsmanagement, Wozabal Miettex), Axel Dick (Business Development Umwelt und Energie, CSR, Quality Austria)
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  • Wolfgang Hackenauer (qualityaustria Netzwerkpartner, Produktexperte Umwelt und Energie, Auditor), Johanna Klewitz (Strategie Beschaffung, Audi), Erik Hansen (Leitung Institut für Integrierte Qualitätsgestaltung, Johannes Kepler Universität), Christian Holzer (Leitung Sektion V – Abfallwirtschaft, Chemiepolitik und Umwelttechnologie, Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus)
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