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Im Bild vl.: Univ.-Prof. Dr. Christian Köberl (Generaldirektor NHM Wien, Universität Wien), DDr. Christoph Thun-Hohenstein (Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer MAK), Dr. Marie Celine Loibl (Leiterin des Forschungsprogramms Sparkling Science im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft), Univ.-Prof. Dr. Anton Zeilinger (Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer (Vorständin des Instituts für Pflegewissenschaft der Universität Wien), Prof. Dr. Klement Tockner (Präsident des Wissenschaftsfonds FWF) (Foto: OeAD/APA/Schedl)

Responsible Science: Gemeinsam Verantwortung übernehmen

23. Juni 2017 | 10:57 Österreich, Wien

Wien (A) Responsible Science bindet die Zivilgesellschaft aktiv in Forschungs- und Innovationsprozesse ein. Auch in Österreich gewinnt dieser Ansatz zunehmend an Bedeutung und führte u. a. vor zwei Jahren in die – federführend durch das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) gegründete – Allianz für Responsible Science. Mittlerweile verschreiben sich 38 Partnerinstitutionen aus Wissenschaft, Forschung, Bildung und Praxis der Weiterentwicklung aktiver Bürger/innenbeteiligung.

Allianzpartner/innen diskutierten mit Expert/innen im Rahmen einer Festveranstaltung an der TU Wien Ansätze und Erfahrungswerte von Responsible Science, spannende Beispielprojekte machten das Konzept greifbar. Das BMWFW gab einen ersten Ausblick auf die strategische Ausrichtung einer neuen geplanten Fördermaßnahme.

Festveranstaltung der Allianz für Responsible Science
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Sektionschefin Barbara Weitgruber (BMWFW). Wie sich „Wissenschaft in Zeiten der Ignoranz" verändern muss, betonte Univ.-Prof. Dr. Klement Tockner (FWF) in seiner Keynote, in der er u. a. über die Veränderung in der Forschungslandschaft sprach und hier den Stellenwert des zunehmenden Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sowie einen mutigeren Ansatz in der Forschung – auch unter Einbeziehen neuer Akteur/innen – hervorhob. In einer anschließenden Podiumsdiskussion sprach er gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Anton Zeilinger (Österreichische Akademie der Wissenschaften), DDr. Christoph Thun-Hohenstein (MAK), Univ.-Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer (Universität Wien), Dr. Marie Celine Loibl (BMWFW) und Univ.-Prof. Dr. Christian Köberl (Universität Wien) über nachhaltige Mitgestaltungsmöglichkeiten von Citizen Scientists im digitalen Zeitalter, der Verantwortung der Wissenschaft für die Gesellschaft und (Ir)responsible Science. Durch das Programm führte Tarek Leitner.

Neue Fördermaßnahme ab 2018
Von der Wissenschafts-Community mit Spannung erwartet wurden die angekündigten ersten Ausblicke auf eine neue Fördermaßnahme, die dem Ende 2019 auslaufenden Wissenschaftsprogramm Sparkling Science folgen soll. Geplant ist, laut Dr. Marie Céline Loibl, BMWFW, eine Erweiterung der für die Projektentwicklung und Bewertung üblichen wissenschaftlichen Exzellenzkriterien im Bereich Responsibility. Gefördert werden sollen Projekte, die durch den Einsatz von Citizen Science oder Open-Innovation-Methoden gewinnen und die den Gestaltungsprinzipien für Responsible Science entsprechen. Den Forscher/innenteams möchte man großen Gestaltungs- und Entscheidungsfreiraum geben. Ein erster Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen soll 2018 veröffentlicht werden.

Top Citizen Science – Bürger/innen forschen mit
Die erste Förderinitiative, die bereits jetzt gezielt Citizen Science-Projekte anspricht, ist Top Citizen Science. Die von BMWFW, FWF und OeAD getragene Initiative wurde 2015 ins Leben gerufen. Sie dient der Finanzierung von Erweiterungsprojekten zu bestehenden FWF- bzw. Sparkling-Science-Projekten (je 250.000 Euro), der dritte Call soll im Herbst 2017 starten. Ziel der Initiative ist die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern und die Nutzung ihres Wissens, ihrer Ressourcen und ihres Engagements für wissenschaftliche Forschung und wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn. Bisher konnten insgesamt 24 Top Citizen Science-Projekte gefördert werden. Eines davon ist CODE IT!, das vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien unter der Leitung von Dr. Katharina T. Paul durchgeführt wird und im Rahmen der Festveranstaltung auch präsentiert wurde. Im Projekt nehmen Wissenschaftler/innen die Debatte zur Einführung der Impfung gegen sexuell übertragbare Humane Papilloma Viren (HPV) – deren Medienverbreitung, die Informationspolitik, den Diskurs – und somit auch die heimische Impfpolitik – unter Einbeziehung von Open-Science-Methoden politikwissenschaftlich unter die Lupe. Rund 100 interessierte Bürger/innen helfen ihnen dabei: Sie analysieren und interpretieren Pressemeldungen und bringen ihre eigenen Ideen ein. Das gesammelte Wissen steht allen Bürger/innen offen. Schüler/innen können die Daten beispielsweise für vorwissenschaftliche Arbeiten nutzen. Forscher/innen steht der Quellcode – die Basis der Forschungen – für andere Forschungsprojekte zur Verfügung.

„Young Crowd“, das zweite präsentierte Projekt, ist ein interdisziplinäres sozialwissenschaftliches Pilotprojekt im Rahmen der Initiative Responsible Science. Hier hat das Rote Kreuz Jugendliche eingeladen, eine neue App zu testen, die im Krisen- und Katastrophenfall zum Einsatz kommen wird. Die juvenilen Citizen Scientists sammeln zusätzlich Daten über die Funktionsweise, melden eventuell auftretende App-Fehler und unterstützen so deren letzten Entwicklungsschritte. Sie leisten so einen Beitrag zum Aufbau eines österreichweiten Crowd-Tasking-Systems, welches in Krisenfällen Freiwillige mittels App in die Hilfe einbindet. Das Projekt soll dazu beitragen, die österreichweite Vorsorge zu stärken und in den Bereichen Frühwarnung, Risikominderung und Management nationaler und globaler Katastrophen zusätzliche Freiwillige zu aktivieren.

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